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15. Jahrgang (2012) - Ausgabe 2 (Februar) - ISSN 1619-2389
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Frühwarnsysteme

von Prof. Dr. Jens Leker

Frühwarnsysteme sind in aller Munde. Die einen wollen mit ihnen drohende Krisen rechtzeitig erkennen. Die anderen hoffen damit, sich bietende Chancen nicht zu verpassen. Doch wie müssen Frühwarnsysteme ausgestaltet sein, damit Schäden vom Unternehmen zeitnah abgewendet und zukunftsträchtige Märkte rechtzeitig erkannt werden können? Welche Erfahrungen hat die Wirtschaftspraxis mit dem Einsatz solcher Systeme gemacht? Was kann die Wissenschaft zur Optimierung dieser Systeme beitragen?

Antworten auf diese Fragen haben die Teilnehmer der 16. InnoVatio- Zukunftswerkstatt in Küsnacht am Zürichsee gesucht - und gefunden. An drei Tage im Juni 1999 diskutierten Unternehmensvertreter (u.a. von Siemens, Hoechst, DaimlerChrysler, BMW, Smart, Scholz & Friends, UBS, Nestlé, Allianz, Price Waterhouse & Coopers und der Deutschen Bank) mit Wirtschaftsjournalisten (u.a. vom Handelsblatt und von der Wirtschaftswoche) sowie Diplomanden und Doktoranden (u.a. von den Universitäten Aachen, Bamberg, Basel, Graz, Innsbruck, Kiel, Mannheim, Potsdam, St. Gallen und Ulm) über Frühwarnsysteme als Basis erfolgreicher interner und externer Kommunikation. Die Ergebnisse sind in der vorliegenden Schrift zusammengefaßt. 18 Autoren aus Wissenschaft und Wirtschaftspraxis widmen sich in 17 Beiträgen fast allen Facetten von Frühwarnsystemen:

  • Im ersten Kapitel skizziert Hans-Christian Loew, Doktorand an der Universität Hannover, die theoretischen Grundlagen von Frühwarnung, Früherkennung und Frühaufklärung. Oliver Kemper und Dirk Sachse, beide Unternehmensberater bei der PricewaterhouseCoopers Wirtschaftsprüfungsgesellschaft mbH im Bereich "Risk-Management", erläutern das Konzept der Balanced Scorecard als Bestandteil eines Frühwarnsystems. Inwieweit mit Systemen der Frühaufklärung sogenannte "Trendprodukte" konzipiert werden können, diskutiert Diplomand Thomas Breuer von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen. Die Chancen und Grenzen von Frühwarnsystemen in der internen und externen Kommunikation zeigt Krisenforscher Frank Roselieb von der Universität Kiel anhand von 96 Krisenfällen eines deutschen Unternehmens. Politikwissenschaftler Harald Walter, ebenfalls von der Kieler Universität, diskutiert Frühwarnsysteme in der Sicherheitspolitik. Ob Frühwarnsysteme das Bedürfnis von Menschen nach Handlungs- und Entscheidungssicherheit befriedigen können, untersucht Heribert Knittelmeyer von der Universität Fribourg / Schweiz. Schließlich wirft Gunnar Sohn, Leiter der Abteilung "Interne Kommunikation" bei o-tel-o in Düsseldorf, einen kritischen Blick auf die Unternehmenskultur und erläutert ihre Auswirkungen auf Kommunikation und Kreativität im Unternehmen. 
  • Das zweite Kapitel des Sammelbandes widmet sich schwerpunktmäßig dem Wissensmanagement - als einem häufig vernachlässigten Anwendungsgebiet von Frühwarnsystemen. Peter Aschmoneit von der Universität Hohenheim skizziert theoretische und praktische Ansätze zur Wissenskollektivierung. Inwieweit der handelsrechtliche Jahresabschluß zur Berichterstattung über die Ressource "Wissen" geeignet ist, diskutieren Ellen Feldhoff und Cornelius Riese von der Universität Mannheim. Dem Gerücht als "ältesten Massenmedium der Welt" geht Elke Jauk von der Universität Graz nach. Schließlich erörtert Birgit Renzl von der Universität Innsbruck die Frage, ob Wissensmanagement vielleicht nur ein Modethema ist.
  • Einen Blick in die Zukunft werfen die beiden Beiträge des dritten Kapitels. Daniel Diemers von der Universität St. Gallen präsentiert ein Konzept für Frühwarnsysteme im virtuellen Raum. Die Besonderheiten von Frühwarnung und Krisenmanagement beim Jahr-2000-Problem untersucht Frank Roselieb von der Kieler Universität in seinem zweiten Beitrag.
  • Schließlich skizzieren im vierten Kapitel vier Praktiker ihre Erfahrungen mit Wissensmanagement und Frühwarnsystemen in der Unternehmenspraxis. Dr. Jörg Wilmes, Koordinator für Wissensmanagement im Deutsche Bank Konzern, zeigt am Beispiel der Frankfurter Großbank, wieso der Dreiklang aus Strategie, Kultur und Technologie im Wissensmanagement unverzichtbar ist. Roland Schatz, Mitherausgeber des Sammelbandes und Gründer des InnoVatio-Verlages, verdeutlicht wie "schwache Signale" für drohende Krisen und für sich bietende Chancen aus der Berichterstattung in klassischen Medien erkannt werden können. Hintergrundinformationen zu den Medieninhaltsanalysen des Medien Tenor Instituts in Leipzig stellt Dr. Silke Waber bereit. Abschließend erläutert Ingo Weißbach, Researcher im Bereich "Netz-Informations-Analysen" beim InnoVatio-Verlag den Ablauf von Internetanalysen zur Frühwarnung anhand von Praxisbeispielen.

Insgesamt ist den beiden Herausgebern zusammen mit ihren 18 Autoren ein sehr lesenswerter und außerordentlich inhaltsreicher Sammelband zum Thema "Frühwarnung" gelungen. Besonders lobenswert ist eine gleich zweifache Synthese: Zum einen schlagen die Autoren - sehr gekonnt und fundiert - die gedankliche Brücke zwischen Krisenmanagement und Chancenmanagement. Diese wurde zwar schon oft betont, aber bisher nur selten mit Inhalt gefüllt. Zum anderen ergänzen sich die theoretischen Konzepte der Wissenschaftler mit den empirischen Erfahrungen der Unternehmenspraktiker zu einem schlüssigen und recht vollständigen Gesamtbild. Das detaillierte Schlagwortregister sowie die ausführlichen Literatur- und Autorenverzeichnisse erleichtern die Navigation durch die Fülle an bereitgestellten Informationen erheblich.

Der Sammelband stellt zweifellos eine Bereicherung der deutschsprachigen Literatur zur Frühwarnung sowie zum Wissens- und Krisenmanagement dar. Er sei Unternehmenspraktikern und Wissenschaftlern gleichermaßen zur Lektüre empfohlen.

Marie Henckel von Donnersmarck /
Roland Schatz (Hrsg.),
Frühwarnsysteme,
Innovatio-Verlag, Bonn, Dover,
Fribourg, Leipzig, Ostrava, 1999,
377 Seiten, EUR 26.00,
ISBN 3-906501-29-9

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Erstveröffentlichung im Krisennavigator (ISSN 1619-2389):
3. Jahrgang (2000), Ausgabe 3 (März)


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